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Zehn Gedankenschnipsel aus Oxford

in Physik , by Fabian Transchel

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Zehn mal Lob für Oxford - und zehn mal gute Gründe, dann doch nicht länger hierbleiben zu wollen.

  1. Der englische Pub an sich schließt um elf. Nicht, weil dann niemand mehr da wäre,
    sondern weil der englische Pub an sich keine Schankerlaubnis erhält. Vor einigen Jahren
    wurde die Sperrstunde zwar abgeschafft, aber das bedeutet keineswegs, dass unbegrenzt
    gezapft werden darf, denn der ökonomisch interessierte Schankwirt weiß, dass er eine
    sogenannte Ausschankverlängerung beantragen muss um bis ein Uhr ausschenken zu dürfen.
    Diese wird üblicherweise dann gewährt, wenn ein zwei Wochen lang öffentlich aushängender Antrag
    auf Ausschankverlängerung keinen Widerspruch von "betroffenen" Anwohnern hervorruft.
    Nun, üblicherweise tut er das dann doch und in den ersten vier Nächten in Oxford wurde
    jeder Pub den ich von aussen und vor allem innen sah, um Elf Uhr abends zugesperrt.
  2. Abends um elf durch Oxford zu schlendern ist eine lustige Angelegenheit, weil das ja ganz Oxford tut. Wie oben geschildert machen wirklich fast alle Pubs um elf Uhr abends zu, also geht man nach Hause. Abgesehen von vielleicht acht Uhr morgens ist 11 pm also mit Abstand die Zeit zu der die meisten Menschen in Oxford unterwegs sind. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) es danach nirgends mehr Alkohol gibt (auch Kioske und Supermärkte die dann noch geöffnet haben dürfen keinen Alkohol mehr veräußern) ist es allerdings auch so, dass dann doch einige sehr angetrunkene Menschen singend und bisweilen pöbelnd durch die Straßen laufen. Ich will nichts beschönigen, das gibts es bei uns ja auch, aber dann nur am Wochenende, und eher zwei-drei Stunden später in der Nacht. Das gute ist, dass man als nicht-primär anglophoner Mensch nicht immer versteht, was sie jetzt gerne mit ihrer Mutter anstellen wollen.
  3. Engländer fahren links, da kann man ja auch tolerant sein, aber Engländer eben gehen auch links. Gemeint ist damit, dass die sogenannten Dreibeine, wie Fußgänger heißen, wenn man 'pedestrians' über das Lateinische wörtlich ins Deutsche Übersetzt, stets nach rechts ausweichen, wenn man jemandem direkt entgegen kommt. Dieses Verhalten ist für den normalen Mitteleuropäer so fremd, dass man bisweilen gewisse Tanzeinlagen vollführt, bis man sich per geschickter Körpertäuschung doch am verdatterten Briten vorbeistehlen kann.
  4. Eine weitere Anmerkung zum Verkehr: Der Brite an sich kennt den Zustand 'rote Ampel' nicht. Er kennt nur 'das Auto hat rot' oder 'das Auto muss aus Gründen, die es noch nicht kennt und die damit zusammenhängen, dass ich gleich ohne zu gucken über die Straße laufe, bremsen'. Ich hatte anfangs Befürchtungen, beim Straßeüberqueren immer in die falsche Richtung zu sehen, aber das ist unbegründet. Tatsächlich ist der Blick zur falschen Seite immernoch sehr sicher, weil ich damit immerhin zu einer Seite mehr blicke als alle anderen.
  5. Zum Essen wollte ich eigentlich nichts schreiben, aber da das bei den anderen Klischees auch nicht geklappt hat kann ich ja ruhig sagen, dass Lammfilet auf Minzsoße ganz gut schmeckt. Nein, ich würde es nicht wieder tun (das ist hauptsächlich eine beruhigende Äußerung an die Montagszocker, die demnächst wieder von mir bekocht werden...), aber ich bereue es auch nicht. Zum Frühstück sage ich mal lieber nichts, nur soviel, dass es ja kostenlos in der Übernachtung inbegriffen ist, also warum die guten fettigen Würstchen verkommen lassen...
  6. Die ersten fünf Tage in Oxford habe ich nur eins erlebt: strahlenden Sonnenschein. Geregnet hat es also noch nicht und neblig war es auch noch nicht. Man sagt ja, jeder Ort in England habe mindestens eine Regenwahrscheinlichkeit von 80%, folglich ist die Wahrscheinlichkeit, dass es morgen dann tatsächlich regnet jetzt schon 99,986 Prozent. So ein Mist. [3]
  7. Jeder, der schonmal morgens um acht am Kröpcke oder Hauptbahnhof in Hannover in eine Stadtbahn einsteigen wollte, der würde auf der Stelle die Wartekultur der Briten befürworten, denn bei uns ist es undenkbar, dass man keine durch Ellenbogen halbgeordnete Traube [2] um die Türen des jeweiligen Vehikels bildet, sondern eine 'Queue'. Dass es eine queue-Kultur auf der Insel gibt, war mir bekannt. Dass ich aber in meiner Eigenschaft als Mensch automatisch eine queue *bin*, ist mir erst seit einigen Tagen klar, seitdem ich beim Fotographieren und Architektur bewundern mehrmals durch ungeschicktes Vor-Schilder-Stellen Schlangen erzeugt habe, die sich erst durch fluchtartiges Verlassen der aktuellen Umgebung wieder auflösen hat mich dann doch überrascht. In dem Sinne sage ich es mit Descartes: I queue [1], so I am.
  8. Es gibt ja Menschen, die den Universitätsstandort Hannover lobend erwähnen, und wenn es darum geht, dass es ja das Welfenschloss gäbe, welches einen gewissen Traditionalismus fördere. Nun, solche Leuten dürften bereits dann vor Ehrfurcht zu Stein werden, wenn sie nur auf der Durchreise in Oxford halt machen. Es ist zwar bekannt, dass Oxford historische Architektur aufweist, aber man darf sich das eben nicht wie in Deutschland vorstellen, wo historische Architektur im Wesentlichen aus nostalgischen Gründen gepflegt wird und innen maximal eine Ausstellung über die Geschichte des Gebäudes zu finden ist. In Oxford lehrt und lernt man in diesen Jahrhunderte alten Mauern von denen ich in einigen Tagen ein paar Photos hochladen werde.
  9. Ach ja, ich bin ja nicht zum Vergnügen hier, also erzähle ich mal ein bisschen was dazu, was hier gemacht wird. Der "QICS-Workshop on Quantum Physics and Logic" ist eigentlich nur über Logik, zumindest wenn es nach den Organisatoren aus Oxfords Category Theory Workgroup geht. Die meiste Zeit zwischen Montag und Freitag habe ich also Talks über Kategorientheorie [5] und Grafische Kalkuli[6] ertragen genießen dürfen. Links dazu sind in den Fußnoten, ein kurzer Überblick zur Kategorientheorie: Praktisch jede Struktur, die Relationen zwischen Elementen darstellt, also z.B. Zahlen mit Arithmetik oder Algebra mit Abbildungen lassen sich in einer Art formulieren, dass man das wesentliche Augenmerk auf die Morphismen, also Abbildungen von Abbildungen legen kann. Was die Kathegorientheorie untersucht ist, ob Morphismen zwischen Kategorien strukturerhaltend sind. Damit das gleich geklärt ist: Ich stehe für weitere Fragen explizit *nicht* zur Verfügung, herzlichen Dank für euer Mitgefühl. [4]
  10. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Oxford ganz 'splendid' und 'wonderful' ist. Es gibt was zu sehen, die Wege sind nicht weit und alle sind nett zu einem, auch wenn man in der falschen Schlange steht. Trotzdem glaube ich, dass Hannover schon was für sich hat, wenn man studieren will und nicht jedes Jahr 35.000 Pfund über hat. Weitere Argumente für die schönste Stadt überhaupt (und da meine ich jetzt nicht Oxford, um diese Ambiguität gleich aufzulösen) gibt's auf Anfrage. Cheers, bis bald.

[1] Ich wehre mich entschieden dagegen, 'to queue' mit 'anstellen' zu übersetzen, weil das den Tatbestand des mutwilligen Anstellens betont, der beim Briten aber wie geschildert nicht vorhanden zu sein scheint.

[2] Ja, die Traube ist ein mathematisches Primitiv, das im wesentlichen dann entsteht, wenn ein Vorwärtskegel (also die Normale zum erwähnten Vehikeleingang) mit den horizontalen Impulskomponenten von aufgebrachten undisziplinierten deutschen Pendlern geschnitten wird...

[3] Ich weise nicht extra auf dieses Wortspiel hin.

[4] Ich verschweige hier wohlweislich, dass es durchaus Anwendungen davon in meiner Diplomarbeit gibt...

[5] Kategorientheorie für Quantenmechanik: http://arxiv.org/0402.130 [extern]

[6] Grafischer QM-Kalkulus: arxiv.org/0908.1787 [extern]

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Zehn Gründe für ein Zehn Dinge-Blog

in In eigener Sache , by Fabian Transchel

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  1. Ich wollte schon lange ein Blog schreiben. Das heißt nicht, dass sich Themen angesammelt haben, sondern dass ich zu häufigeren Gelegenheiten gedacht habe, man müsse mal über dies oder das schreiben.
  2. Natürlich sollte es nicht irgendein Blog [1] werden, in dem ich über Kartoffelschälen oder Taubenzüchter aus Wanne-Eickel referiere, sondern etwas ausgefallenes. Als Physiker hat man ein ebenso dogmatisches wie ausgefallenes Weltbild [2]. Eine geeignete Platform dafür schien mir ein Blog, das irgendwie anders ist, das hat natürlich auch damit zu tun, dass man sich von der Konkurrenz absetzen möchte ;-)
  3. ZehnDinge ist ein ebenso interessantes wie herausforderndes Konzept, das, was man sagen möchte in Zehn Portionen aufzuteilen. Ob das sprachlich und semantisch immer möglich sein wird, wage ich zu bezweifeln, aber das ist schließlich etwas, wo man sich mit künstlerischer Freiheit herausreden darf.
  4. Das Konzept, das Blog auch als Podcast anzubieten ist sicher nicht unbedingt ein Selbstzweck, aber es wird helfen meine Sichtweisen nicht nur durch Worte, sondern auch Stimme zu verbreiten, was, so hoffe ich, bisweilen für die geneigte Zuhörerschaft, wie zahlreich oder zahllos [3] sie auch sein mag, durchaus amüsant sein darf.
  5. Letztlich ist ein Blog eine Form von Selbstausdruck, wie ich meine, die einige Vorteile gegenüber konventionellen Methoden hat. Man muss nicht mit Manuskripten zu Verlagen gehen und um Verlegung betteln [4]. Zudem muss man nicht druckreif formulieren, auch wenn ich mich bemühen möchte nicht allzu große Schachtelsätze zu konstruieren [5]. Da mir jetzt nicht so viel mehr Formen des Selbstausdruckes einfallen
    (abgesehen von Namen-Tanzen und Charakter-Kartoffeldruck vielleicht) lasse ich das einfach mal so stehen. Bloggen ist toll, Punkt.
  6. Bloggen ist toll, Punkt. Ach, das habe ich schon gesagt? So viel zur Konsistenz von Zehn Dingen...
  7. Etwas, worauf ich noch hinweisen möchte ist, dass meine Art von Humor naturgemäß nicht immer politisch korrekt oder gar witzig ist. Ich mache kein Kabarett und keine Mainstream-Comedy, sondern am liebsten mache ich mich über die Welt als solche lustig. Das da auch schonmal die armseligen Bewohner derselben auch drankommen... nagut, der Naturwissenschaftler beobachtet halt...
  8. Ich bin böse. Niederträchtig. Gemein. Tiefironisch [6] bis sarkastisch. Wer mich ernst nimmt versteht mich nicht richtig, wer mich nicht ernst nimmt, versteht mich falsch. Ich verallgemeinere unzulässig, verkaufe Korrelation als Kausalität und spiele in orangenen Sachen Fußball. Wer darüber nicht Lachen kann soll es auch nicht versuchen :-)

    Ich habe mal mit einem Philosophen gesprochen, der mir sagte, dass die Spezies Physiker ihr eigentümliches Weltbild daraus ableite, dass sie nicht exakt wissen, wie sie sei, die Welt, sondern immer nur sagen könnten, wie sie nicht sei. Es sei ihm unerklärlich, wie man dabei eine positive Lebenseinstellung bewahren könne. Ich kam nicht umhin zu erwidern, dass das daran läge, dass wir die Grenzen dessen, was wir nicht wissen, ziemlich gut wissen.

  9. Ich entschuldige mich im Vorhinein dafür, dass die Blogeinträge nach unten hin immer schlechter werden, weil die guten Argumente langsam aufgebraucht sind. Kopf hoch, wäre ZehnDinge eine Fußballmannschaft wäre sie immer von vornherein im Nachteil. Vielleicht gewöhne ich mich ja auch daran, Themen zu zehnteln, schließlich sind wir Menschen an das dezimale System gewohnt und zehnteln dauernd...
  10. Der letzte Punkt muss wohl manchmal eine Art Fazit beinhalten oder darstellen. So auch in diesem Fall: Das war's erstmal. Bis zum nächsten Mal!

[1] Ein angemessener Name, der leider nicht zum Recall durfte war "yepb". Das stand für "yet abother physisical blog"... oder so ähnlich.

[2] (Ich habe vor, mich über *das* Weltbild der Physiker auszulassen, keine Sorge. Aber nicht im Einleitungsartikel.)

[3] Ja, ich mache schlechte Wortwitze.

[4] Verlage sind wie Krankenhäuser. Meistens wird man nicht verlegt, und wenn doch, dann ist man besser privat versichert.

[5] Dieser Umstand ist ein Tribut an Rainer Parchmann und seine großartige Vorlesung Programmieren 1, die jedem Erstsemester, der Programmieren lernt oder zumindest den Schein macht, klar und deutlich auferlegt, warum Lisp und sein Derivat Scheme mit ihrer fürchterlichen Syntax keinen guten Programmierstil zulassen.

[6] All jenen Menschen, die im StudiVZ meinen propagieren zu müssen "fließend Ironisch" zu sprechen sei ans Herz gelegt, dass sie es höchstens plätschernd beherrschen. Ja, ich gehöre auch dieser Gruppe an.

[7] Der inflationäre Gebrauch von Fußnoten spiegelt entweder meine nicht immer wohlstrukturierten Gedankengänge wider - oder den inflationären Gebrauch von Fußnoten.

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