Dies ist weniger eine Aussage oder ein meinungsbildender Blogeintrag, als ein Experiment. Ein Experiment, die menschliche Entwicklung betreffend. Vielleicht würde mir ein Psychologe bescheinigen, eine Art "quarterlife crisis" zu haben, aber geschenkt. Ich glaube, dass mitten in der Promotion durchaus ein guter Zeitpunkt ist, sich zu fragen, ob allein theoretische Physik das ist, was ich für den Rest meines Lebens machen will. [Und nebenbei gesagt, das glaube ich sehr wohl.] Ich will auf folgendes hinaus:
Verschiedene soziokulturelle Faktoren [unter anderem einigermaßen geregelte Arbeitszeiten] lassen die Frage in mir aufsteigen, ob das alles ist, was ich kann, oder ob es nicht bereichernd und, nun ja, die Persönlichkeit erweiternd sein kann, gelegentlich Herausforderungen abseits des Weges zu suchen.
Letztes Jahr habe ich mein Essverhalten kontrollieren gelernt, etwas was ich zuvor für kaum möglich, gewiss aber nicht für leicht gehalten habe. Diesen "Sommer" habe ich Inline-Skaten gelernt. [Geschenkt, Luke nutzt die Bremse noch nicht so wie Yoda es von ihm erwartet, aber das kriegt er schon noch hin...] Und nun werde ich beweisen, dass ich ein Buch schreiben kann. [Das erklärt die merkwürdigen Zahlen, die ich sonntags twittere.] Ich glaube, dass es nicht nötig ist, jeden Aspekt des Lebens zur Perfektion zu bringen [und nebenbei gesagt halte ich das auch nicht für möglich], aber es umgekehrt sehr erfüllend ist, sich einzelne Aspekte einmal genauer vorzunehmen. Ich habe vor, darüber ausführlich zu schreiben, warum es eine gute Idee ist, verschiedene Dinge zur Meisterschaft zu bringen, ohne dass man sie professionell betreibt, aber das gährt noch in meinem Verstand herum und ich wollte an diesem Sonntag, da ich mit Tee und gutem Mut vor dem Schreibprogramm sitze einfach mal aufmerken.
Ich möchte noch einen Schritt weitergehen, das Konzept der Herausforderung herunterbrechen und folgende Idee ausbrüten: Ich werde untersuchen, inwiefern es bereichernd ist, sich jede Woche auch in der Freizeit eine Herausforderung zu setzen. [Neben der beruflichen, die man ja gerade nicht mitzählt, wenn man etwas vollständig aus eigenem Antrieb erfahren will.] Natürlich kann man aufschreien, man müsse doch entspannen, wenn man nicht arbeitet, aber dass Nichtstun wirkliche Entspannung verspricht halte ich mittlerweile für unkundig. Nirgends finde ich größere Entspannung und Harmonie, als auf dem Crosstrainer, wenn Arme und Beine schmerzen und jeder Schritt eine Herausforderung ist. Warum nicht diese Beobachtung kultivieren, und jede Woche etwas Kleines vornehmen, was angesichts der kurzen Zeitspanne nicht großartig über der mittleren Leistungsfähigkeit liegt, aber eben so schwierig ist, dass klar ist, dass man es ohne Anstrengung auch nicht schafft. Und damit meine ich keineswegs nur den Sport, auch wenn mir die beinahe adiabatische Steigerung der persönlichen Leistungsfähigkeit, wenn mand enn nur nach Herausfoerungen sucht und wenigstens ein bisschen quantitativ veranlagt ist, dort zum ersten mal aufgefallen ist. Ich kann vielleicht 2000 Wörter in der Woche an meinem Roman arbeiten, das klingt wenig, ist aber angesichts der anderen Dinge, die ich noch zu tun habe und der Zeit, die ich bewusst mit Prokrastinieren verbringen will, ganz okay. Nun, dann sollte ich versuchen, nächste Woche 3000 Wörter zu schaffen. Ja, selbst dann wird es vielleicht ein Jahr dauern, ein Buch fertigzustellen. Und das ist dann nur die erste Streichfassung. Aber jede Woche kann ich mir vornehmen, mich in einem winzigen Aspekt zu verbessern, und wenn ich es schaffe, dann spielt es überhaupt keine Rolle, ob ich dabei ein buch schreibe und ob ich es hinterher einfach wegwerfe, weil ich daran gewachsen bin, unbesehen der Folgen.
Was sind eure Herausforderungen am Wegesrand? Welche Fertigkeiten und Kenntnisse wollt ihr abseits der Profession erwerben?



